Ursprünglich wollte ich einen Artikel über unsere restlichen Arbeiten in Kemer schreiben und vor allem unser Resultat präsentieren, aber irgendwie hat es die Zeit nicht zugelassen. Und dann lagen wir in Rhodos und was wir hier auf der Werft erlebt haben, ließ das Vergangene in der Türkei verblassen. Und so ist dieser Artikel daraus geworden.

Aber jetzt von vorne.

In Kemer habe ich zusammen mit Reinhold bei mittlerweile unterträglichen Temperaturen noch vor dem Wassern einen zweiwöchigen Arbeitsmarathon hingelegt. Wir haben morgens angefangen, noch bevor die Werftarbeiter da waren und bis spät in die Nacht gearbeitet, als diese schon längst wieder weg waren. In der Zeit haben wir wirklich was abgerockt. Sämtliche Flächen, die wir bei unserem ersten Refit grundiert zurück gelassen haben, haben wir jetzt mehrfach verspachtelt, geschliffen und lackiert. Das ganze Equipment dafür haben wir aus Deutschland im Reisegepäck mitgebracht – immer großes Hallo bei den Jungs vom Sperrgepäck am Flughafen. Nur den Kompressor zum Lackieren mussten wir uns in der Werft ausleihen.

Dann noch das Teakholz im Cockpit geschliffen und neu eingelassen, das Boot von außen einmal polliert und den neuen Schriftzug der Tasman angebracht. Check. Alles weitere wollen wir in einer Werft in Griechenland machen.

Werftwechsel

Wir sind mittlerweile in Rhodos. Der seit Tagen anhaltende Nordwestwind in der Ägäis und das komplizierte Versteuern unseres Bootes in Griechenland, zwingen uns zu einer Planänderung. Wir wollten ursprünglich in eine Werft weiter westlich, aber daraus wird nichts, weil wir in ein paar Tagen schon wieder in Deutschland am Schreibstisch sitzen müssen. Also machen wir uns hier auf die Suche nach einer anderen Werft und finden die Nereus Boatyard nicht weit von der neuen Marina.

Die Lage mitten im Industriegebiet von Rhodos und dem angrenzenden Boot Schrottplatz hat seinen ganz eigenen Charme. Aber irgendwie fühlen wir uns hier wohl. Die Stimmung auf der Werft hat etwas besonderes, tolerantes, fast meditatives obwohl hier alle sehr geschäftig sind.

Bevor es zurück nach Deutschland geht, helfen uns Ilias, der die Werft betreibt, und sein Companion, Handwerker zu finden, die während unserer Abwesenheit am Boot weiter arbeiten. So lernen wir Nico den Schlosser kennen, der sich in unser Boot verliebt und mit Hingabe den Ankerkasten wieder wie neu aussehen läßt.

Helden unter sich

Bevor es zurück ins Wasser geht, zeigen die Jungs hier aber nochmal, was sie drauf haben. Beim Schweißen der neuen Bleche in den Ankerkasten, ist der Lack oberhalb der Wasserlinie in Mitleidenschaft gezogen worden. Bemerkt haben wir das erst kurz vor dem Krantermin. Also auf zu Ilias, der den Lackierer organisiert und in weniger als 5 Stunden die Stelle abschleift, spachtelt, grundiert und lackiert.

Aber damit noch nicht genug. Als das Boot wieder im Wasser liegt, versagt die Kühlwasserpumpe vom Motor. Mittlerweile ist es Freitag Nachmittag, wieder raus aus dem Wasser können wir nicht, der Kran ist schon im Wochenende, liegenbleiben bei der Wetterlage keinesfalls und ohne Motor ablegen geht auch nicht. Ilias der seit der Lackieraktion keinen Meter mehr von uns weicht, ruft seinen Mechaniker der zusammen mit Nico von der Schlosserei, kurz vor Sonnenuntergang das Ding wieder zum Laufen bringt.


Jeder hat uns hier geholfen, oft auch ohne Bezahlung. Am Ende hatten wir vieles erledigt und neue Freundschaften geschlossen. Unser (viel zu) kurzer Aufenthalt in Rhodos kann sich auf jeden Fall sehen lassen:

  • Ankerkasten entrostet und neue Bleche eingeschweißt
  • Dickenmessung des Rumpfes von einem unabhängigen Gutachter (alles im grünen Bereich)
  • Benzingenerator repariert
  • Servicebatterien ausgetauscht
  • Viele Meter alte Kabel rausgezogen und neue verlegt
  • Innenbeleuchtung auf LED umgestellt
  • Sinus Inverter ausgetauscht
  • USB Steckdosen installiert
  • Neue Instrumente eingebaut

Danke an Ilias, Nico und alle die geholfen haben, unserem Ziel näher zu kommen. ευχαριστώ

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